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Die Sanierung der Wiener Werkbundsiedlung

Seit 2011 wird die Wiener Werkbundsiedlung in enger Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Bundesdenkmalamt in mehreren Bauetappen saniert. Geplant und überwacht wird die Sanierung von einem Team aus Restauratoren und Gebäudetechnikern unter der Leitung von p.good architekten. Die Kosten von rund 10 Mio. Euro werden auf Initiative von Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig größtenteils von Wiener Wohnen – der Hausverwaltung der rund 220.000 Gemeindewohnungen in Wien – und der Stadt Wien aus Mitteln der Wiener Wohnbauförderung übernommen. Diese Art der Finanzierung stellt eine möglichst geringe Kostenbelastung für die derzeitigen Bewohnerinnen und Bewohner sicher und gewährleistet damit weiterhin leistbare Mieten. Außerdem wird unter der Berücksichtigung ökologischer Aspekte ein zeitgemäßer Wohnkomfort geschaffen. Somit reiht sich dieses Sanierungsvorhaben in die erfolgreiche Wiener Tradition der „Sanften Stadterneuerung“ ein. 

Ziel der baulichen Maßnahmen ist es, den Originalzustand herzustellen und gleichzeitig einen zeitgemäßen Wohnstandard zu gewährleisten. So wird die vorhandene Originalsubstanz nachhaltig renoviert und bewahrt, während nachträgliche Veränderungen, wie etwa Überputzungen oder Verkleidungen, entfernt werden. Die Restaurierung der erhaltenen Sichtoberflächen wird mit den gleichen Materialien und Handwerkstechniken, wie bei der Errichtung der Werkbundsiedlung im Jahr 1932, durchgeführt. In der ersten Sanierungstranche wurden auch im Häuserinneren umfangreiche Revitalisierungsmaßnahmen umgesetzt. Diese umfassten die bei Projektstart leerstehenden Häuser des Architekten Gerrit Rietveld in der Woinovichgasse 16 und 20 und ein Josef Hoffmann-Haus in der Veitingergasse 85 sowie ein bewohntes Gerrit Rietveld-Haus in der Woinovichgasse 18. Neben umfangreichen hausseitigen Maßnahmen, wie der teilweisen Freilegung der originalen Putzoberflächen, der Sanierung der Fassaden, Fenster und Türen wurden wohnungsseitig die Böden, Decken und Wände instandgesetzt sowie die Sanitärräume erneuert. In den Rietveld-Häusern wurden die sehr kleinen Bäder neu organisiert und es wurden zusätzliche Bäder im Kellergeschoss eingebaut. Die in Skizzen und Briefen dokumentierten Grundrissvarianten für das Erdgeschoss – die damals bei der Errichtung nicht realisiert worden waren – wurden nun im Zuge der ersten Sanierungstranche umgesetzt.

Durch die Kombination unterschiedlicher technischer Maßnahmen im Dämmbereich und durch den Einbau moderner Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung wird ohne den Einsatz von herkömmlichen Wärmeschutzfassaden eine Reduktion des Heizverbrauchs um ca. 50 % sichergestellt. Auf diese Weise werden der Wohnkomfort gesteigert und die Energiekosten reduziert – ohne das architektonische Ensemble zu gefährden. Die weiteren Sanierungstranchen, die die restlichen 44 bewohnten Häuser umfassen, werden laufend fortgeführt. Dabei werden individuelle Lösungen in Abstimmung mit den Bewohnerinnen und Bewohneren erarbeitet. Die komplette Sanierung der Wiener Werkbundsiedlung soll im Jahr 2016 abgeschlossen sein. Damit  wird diese – auch international vielbeachtete – Siedlung wieder zu einem Architekturjuwel. Sie nimmt einen ganz besonderen Stellenwert in der Vielfältigkeit  des kommunalen Wiener Wohnbaus ein.