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Das freistehende Einfamilienhaus von Josef Frank, dem Initiator und künstlerischen Leiter der Wiener Werkbundsiedlung, reicht mit einer Wohnfläche von 100 m² weit über die Anforderungen eines Kleinhauses hinaus. Ziel der Werkbundausstellung war es, wie Josef Frank schrieb, „Einfamilienhäuser kleinster Art“ zu schaffen, die unter Einhaltung gewisser Vorgaben (wie Flachdach, einheitliche Behandlung der Fassaden und Einfriedungen) den ArchitektInnen trotzdem weitgehend freie Hand bei der Planung ließen. Die dadurch möglichst große Zahl an unterschiedlichen Reihen- oder Typenhäusern sollten als modellhafte Musterbauten für zukünftige Siedlungsanlagen dienen. 

Das von Frank angeblich nur auf Wunsch eines potenziellen, später wieder abgesprungenen Käufers zweigeschoßig ausgeführte Wohnhaus ist auf einem Eckgrundstück im Inneren der Siedlung situiert und wird durch einen flachen Bogen mit dem benachbarten Trafohäuschen verbunden. Der um einige Treppen erhöht liegende Eingang befindet sich auf der Schmalseite des in hellem Grün gestrichenen Hauses. Das Erdgeschoß hat Frank in drei quer gelagerte Zonen gegliedert: Zone 1 umfasst den Vorraum mit seitlich anschließender Küche und Kammer, Zone 2 den sich über die gesamte Tiefe des Hauses erstreckenden Wohnraum und Zone 3 die über einen kleinen Vorraum zugänglichen zwei Schlafräume sowie das Bad. Über eine offene Treppe im Wohnraum gelangt man in das abgetreppte Obergeschoß, das einzig einen großen, parallel zum Garten liegenden Wohnraum mit vorgelagerter Terrasse beherbergt. Das im Parterre liegende Wohnzimmer mit Möglichkeit zur Querlüftung öffnet sich über eine dreiflügelige Glastür zum Garten und zu dem direkt an den Wohnraum anschließenden, von einer Pergola überschatteten Sitzbereich. Diesen Typus des abgetreppten Einfamilienhauses mit Terrasse hat Josef Frank in ähnlicher Art bereits in mehreren früheren Projekten (Haus Scholl in Wien 1914 oder Haus Claëson in Falsterbo 1924–1927) realisieren können.

Das Innere des Hauses folgt in seiner Grundrissdisposition Franks Wohnvorstellungen, die er in dem Aufsatz „Das Haus als Weg und Platz“ (1931) näher darlegte: „Ein gut organisiertes Haus ist wie eine Stadt anzulegen mit Straßen und Wegen, die zwangsläufig zu Plätzen führen, welche vom Verkehr ausgeschaltet sind, so daß man auf ihnen ausruhen kann.“ Dementsprechend hat Frank die Fenster und Türen aus den Raumachsen gerückt und somit verschiedene, voneinander getrennte Wohnbereiche geschaffen: Auf der einen Seite des Wohnzimmers befand sich der Essplatz, der durch eine Tür unter der Treppe mit der Küche verbunden war; gartenseitig waren ein Schreibtisch sowie einige Sessel und ein bequemer Fauteuil gruppiert; in der Mitte des Wohnzimmers zeigen alte Fotografien ein Tagesbett und einen Tisch als Raumteiler. Die verschiedenartigen frei beweglichen Möbel sowie die Stoffe von Haus Nr. 12 stammten sämtlich aus der von Josef Frank gemeinsam mit Oskar Wlach 1925 gegründeten Einrichtungsfirma „Haus & Garten“.

Text: Anna Stuhlpfarrer