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Oskar Strnad, in dessen Architekturklasse an der Wiener Kunstgewerbeschule zahlreiche an der Werkbundsiedlung beteiligte ArchitektInnen ihre Ausbildung erfahren hatten, zeichnete für die gekoppelten Häuser Nr. 13 und Nr. 14 der Werkbundsiedlung verantwortlich. Die Doppelhäuser erlitten im Zweiten Weltkrieg bei einem Luftangriff im Frühjahr 1945 einen schweren Bombenschaden und wurden nicht wieder aufgebaut. Die beiden zweigeschoßigen, spiegelverkehrt angelegten Häuser bildeten den südöstlichen Abschluss der Mustersiedlung und waren in Nord-Süd-Richtung orientiert. Die durchdachte seitliche Anordnung von Eingang, Küche, Nebenräumen sowie angrenzender Kammer im Erdgeschoß erlaubte die Erstreckung des Wohnzimmers über die gesamte Tiefe des Hauses. Ein Fenster an der Nordseite und die dem Wohnraum im Süden vorgelagerte Terrasse ermöglichten die in allen Wohnbaumanifesten der Zwischenkriegszeit geforderte Querlüftung des großen Aufenthaltsraums. Die in einem Bogen verlaufende Wand der seitlich angrenzenden Kammer erweiterte den Wohnraum zu einem überdachten Sitzplatz mit seitlichem Abgang in den Garten. Im rückversetzten Obergeschoß, das über eine vom Vorraum zugängliche Treppe erschlossen wurde, befanden sich ein Zimmer mit Zugang zu einer zweiten Terrasse sowie eine weitere Kammer, die als Dienstmädchenzimmer ausgewiesen war. 

Strnads grundsätzliche Überlegungen zum Thema Wohnen, die er in seinen „Gedanken zum Entwurf eines Grundrisses“ 1915 verschriftlichte, räumen der Wegeführung bei der Grundrissplanung einen zentralen Stellenwert ein. Dieses „Durch-das-Haus-geführt-Werden“, das vor allem bei seinen beiden wichtigen Bauten vor dem Ersten Weltkrieg (Haus Hock, 19., Cobenzlgasse 71, Haus Jakob Wassermann, 19., Paul-Ehrlich-Gasse 4) besonders deutlich zum Ausdruck kommt, kann – wenn auch in deutlich reduzierter Form – auch in den Häusern der Werkbundsiedlung nachvollzogen werden. 

Kritik an Oskar Strnads Häusern kam ausgerechnet von Josef Frank: Laut den Erinnerungen von Ernst Plischke beanstandete der künstlerische Leiter der Werkbundsiedlung die spiegelbildliche Anordnung der Doppelhäuser, wodurch die Privatsphäre der BewohnerInnen auf den Terrassen im Obergeschoß eingeschränkt wurde. Einigkeit hingegen herrschte zwischen den beiden Architekten, die nicht nur Kollegen an der Kunstgewerbeschule waren, sondern auch 1913–1918 mit Oskar Wlach eine Arbeitsgemeinschaft hatten, in Bezug auf die Möblierung. Die Häuser Strnads waren nicht mit Einbaumöbeln und wandgebundenen, fix verankerten Möbeln versehen, vielmehr plädierte er für bewegliche Möbel, die den Räumen ein individuell gestaltbares und wohnliches, harmonisches Ambiente verliehen. Die Inneneinrichtung von Haus Nr. 14 stammte von Oskar Strnad selbst, für die Möblierung von  Haus Nr. 13 zeichneten Karl Hofmann und Felix Augenfeld verantwortlich. Laut Preisliste der Werkbundhäuser von 1932 kosteten die Häuser Nr. 13 und Nr. 14 46.000 beziehungsweise 45.000 Schilling und lagen damit im oberen Preissegment; keines der beiden wurde verkauft.

Text: Anna Stuhlpfarrer