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Die mit nur je 33 m² verbauter Fläche kleinsten Häuser der Wiener Werkbundsiedlung stammen von dem 1905 geborenen Walter Loos, der mit seinen Bauten stilistisch dem „Neuen Bauen“ nahestand und zu der fortschrittlichen Richtung der an der Werkbundsiedlung beteiligten ArchitektInnen zählte. Im Vergleich zu den in derselben Häuserzeile errichteten Bauten von Eugen Wachberger (Haus 21 / 22), Clemens Holzmeister (Haus 23 / 24) sowie Karl Augustinus Bieber und Otto Niedermoser (Haus 17 / 18) sind die Fassaden von Walter Loos noch einen Schritt weiter zurückgenommen. Die durchgehenden Fensterbänder sind in die Wand eingeschnitten, und weder ein Vordach noch eine rahmende Pergola verunklären das schlichte kubische Äußere der flach gedeckten Reihenhäuser. 

Die Häuser von Walter Loos sind im Erdgeschoß räumlich in zwei Schichten gegliedert: Dem zur Straße hin orientierten Wirtschaftsbereich mit dem durch einen Niveausprung in zwei Bereiche geteilten Vorraum, der Küche und der Treppe ist gartenseitig ein relativ großer Wohnraum gegenübergestellt, der etwa zwei Drittel der Grundfläche einnimmt. Diese Maximierung des Wohnraums kann als allgemeines Charakteristikum der Bauten von Walter Loos gesehen werden. Gleich wie die meisten anderen ArchitektInnen hat auch Loos in seinen beiden Häusern eine etagenweise Trennung der Funktionsbereiche Wohnen und Schlafen vorgesehen. Eine mittig angeordnete Zone mit Badezimmer, Flur und WC schafft im Obergeschoß eine räumliche Trennung der beiden Schlafzimmer (vergleichbar mit dem Grundriss von Bieber und Niedermoser). Auch wenn diese minimalen Grundflächen den ArchitektInnen in der Werkbundsiedlung relativ wenig Spielraum bei der Grundrisslösung ließen, können die unterschiedliche Wegeführung oder die Anordnung der Treppen und Kamine wesentlichen Einfluss auf die Wohnqualität der Häuser ausüben. Die beiden Reihenhäuser von Walter Loos mit einer Wohnfläche von je 53 m² heben sich sowohl durch eine noch effizientere Raumaufteilung als auch die starke Durchfensterung der Fassaden deutlich von ihren Nachbarbauten ab. 

Walter Loos hat seine Ausbildung an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Josef Frank und Josef Hoffmann erhalten und arbeitete Mitte der 1920er-Jahre in Paris bei Adolf Loos. Während Walter Loos die Ausstattung von Haus Nr. 20 der Wiener Werkbundsiedlung selbst übernahm, zeichnete für die Inneneinrichtung von Haus Nr. 19 der Architekt Peter Feile verantwortlich. Loos und Feile hatten bereits in Würzburg zusammengearbeitet und waren auch freundschaftlich eng verbunden. Eine historische Aufnahme aus dem Jahr 1932 zeigt das Wohnzimmer von Haus Nr. 20 mit einer multifunktionalen Schrankwand. Aufgelockert durch das bewegliche Mobiliar der Firma Thonet vermittelt das Zimmer trotz der beinahe raumhohen Wandverbauung eine gewisse Leichtigkeit. Auch wenn keine weiteren Fotos der Inneneinrichtung des Reihenhauses bekannt sind, lassen die Grundrisse der Häuser doch erkennen, dass Loos neben der Küche auch im ersten Stock die Verwendung von Einbaumöbeln vorgesehen hatte.

Text: Anna Stuhlpfarrer