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Die Häuser Nr. 29 und Nr. 30 der Wiener Werkbundsiedlung, für deren Entwurf und Inneneinrichtung Walter Sobotka verantwortlich zeichnete, wurden bei einem Luftangriff im Frühjahr 1945 zerstört und bereits 1951 durch ein Wohnhaus der Gemeinde Wien ersetzt. Die zweigeschoßigen unterkellerten Reihenhäuser in der Veitingergasse schlossen direkt an die Bauten von Oskar Wlach (Haus 31 / 32) an. Haus Nr. 29 wurde mit seiner Lage am Ende der Häuserzeile als Mustertype mit seitlichem Ausgang in den Garten konzipiert. Das Äußere der streng in Nord-Süd-Richtung orientierten Häuser bestach durch die hohe Anzahl an teils großen Fensteröffnungen sowie die weit ausladende Holzpergola über den Terrassenbereichen. Als schmales Band entlang der Gartenfront weitergeführt, diente die Pergola zudem als optische Verzahnung der beiden Häuser. 

Die über einer verbauten Fläche von 45 bzw. 46 m² errichteten Reihenhäuser wiesen unterschiedliche Grundrisslösungen auf. Beide waren aber im Erdgeschoß in zwei räumliche Ebenen gegliedert und in einen straßenseitigen Wirtschaftsbereich und einen gartenseitigen Wohnbereich getrennt. Während Haus Nr. 29 über eine zentrale, quer liegende Treppe verfügte, wurden die einzelnen Geschoße in Haus Nr. 30 über eine an der westlichen Feuermauer situierte Treppe erschlossen. Die sich jeweils über die gesamte Breite des Hauses erstreckenden Wohnräume im Erdgeschoß öffneten sich mittels langer Fensterbänder sowie verglaster zweiflügeliger Terrassentüren Richtung Garten. Bei beiden Häusern war der Bereich der Terrassentür leicht vorspringend ausgeführt. Die Obergeschoße waren dem Funktionsbereich Schlafen vorbehalten und hatten ursprünglich mehrere Räume und Kammern umfasst. Haus Nr. 29 wurde jedoch bereits im Zuge der Werkbundausstellung 1932 verkauft und der erste Stock entsprechend den Wünschen des Käufers adaptiert. Zugunsten zweier größerer Zimmer wurde auf eine Unterteilung des Obergeschoßes in mehrere Kammern samt Vorraum und Schrankraum verzichtet. 

Historische Aufnahmen von Haus Nr. 29 geben Einblicke in Bezug auf die Inneneinrichtung und Möblierung der Schlaf- und Wohnräume. Eines der Fotos zeigt die auf Wunsch abgeänderte Raumeinteilung im Obergeschoß sowie die Möglichkeit zur räumlichen Abtrennung der nun vergrößerten Schlafräume durch Vorhänge. Ein zweites Foto vermittelt einen Eindruck von der Ausstattung des Wohnzimmers, wobei die Einrichtung mit leichten, beweglichen Möbeln stark an die Wohnvorstellungen Oskar Strnads und Josef Franks denken lässt. Der eng mit Frank befreundete Walter Sobotka war ab 1923 als selbstständiger Architekt in Wien tätig und widmete sich vorwiegend dem Entwurf von Möbeln und Inneneinrichtungen. Neben zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften hatte er sich auch an der offiziellen Publikation zur Werkbundausstellung mit dem Aufsatz „Mit geringem Aufwand das Meiste leisten“ beteiligt.

Text: Anna Stuhlpfarrer