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Die in blassem Grün mit horizontalen weißen Querstreifen gestrichenen zweigeschoßigen Reihenhäuser in der Veitingergasse 99 und 101 wurden vom Architekten Oskar Wlach entworfen. Nach seiner Ausbildung an der Technischen Hochschule (Karl König) und der Akademie der bildenden Künste in Wien (Friedrich Ohmann) entschloss sich Wlach im Jahr 1907 zu einer Zusammenarbeit mit seinem Studienkollegen Oskar Strnad. Sechs Jahre später wurde die Arbeitsgemeinschaft noch um Josef Frank erweitert, den späteren Organisator und Gesamtleiter der Wiener Werkbundsiedlung. Alle drei Architekten verband neben ihrer gemeinsamen Ausbildung und der künstlerischen Einstellung auch ihre jüdische Herkunft. Im Jahr 1925 gründeten Wlach und Frank zudem gemeinsam das Unternehmen „Haus & Garten“, welches die unterschiedlichsten Einrichtungsgegenstände und Möbel für drinnen und draußen anbot. 

Oskar Wlachs Haus in der Werkbundsiedlung wird über einen drei Stufen über Niveau liegenden rückversetzten Eingang erschlossen, wobei eine gekurvte Wand ins Innere des Hauses weiterleitet. Von dem zentralen Vorraum gelangt man in die Küche, das Wohnzimmer, eine Kammer sowie zur Treppe in den Keller bzw. das Obergeschoß. Das zwei Stufen tiefer liegende quer gelagerte Wohnzimmer nimmt die gesamte Breite des Hauses ein und öffnet sich über ein großes vierteiliges Fenster und die zweiflügelige Glastür zum Garten. Der direkte Bereich vor der Tür wird durch den Richtung Garten vorspringenden seitlichen Wohnzimmerbereich als geschützter Sitzplatz ausgewiesen und mittels einer Pergola beschattet. Wie in zahlreichen anderen Häusern der Werkbundsiedlung hat auch Oskar Wlach die Funktionsbereiche Wohnen und Schlafen geschoßweise getrennt. Die beiden gleich groß konzipierten Schlafräume im ersten Stock sind gegen den Garten im Süden ausgerichtet, nordseitig sind eine Kammer sowie Badezimmer und WC situiert. Im Gegensatz zur Nordseite mit den eher kleinen Fenstern hat Wlach auf der Gartenseite des Hauses relativ große Fenster vorgesehen. Die dreiteiligen französischen Fenster der südseitig gelegenen Schlafräume mussten für ausreichend Licht und Luft sorgen, da die gewählte Grundrisslösung keine Möglichkeit zur Querlüftung vorsah. 

Die Inneneinrichtung der beiden Reihenhäuser Nr. 31 und Nr. 32 hatte Oskar Wlach selbst vorgenommen: Gleich wie Strnad und Frank wandte auch er sich gegen zu sperrige große Einrichtungsgegenstände, die räumliche Barrieren bilden, und setzte sich für leichte, frei bewegliche Möbel ein, die auf Wunsch auch jederzeit veränderbar sein mussten. Eine historische Aufnahme zeigt den sehr großzügig und hell wirkenden Wohnraum von Haus Nr. 31 mit verschiedensten frei beweglichen Möbeln. Sämtliche Einrichtungsgegenstände wie auch die Stoffe und Lampen dieses Hauses stammten von der Einrichtungsfirma „Haus und Garten“.

Text: Anna Stuhlpfarrer