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Die zweigeschoßigen, quer gelagerten Reihenhäuser des Wiener Architekten Julius Jirasek sind in direkter Nachbarschaft zu den Häusern von Ernst Plischke (Haus 35 / 36) und Oskar Wlach (Haus 31 / 32) in der Veitingergasse situiert. Jirasek hatte, gleich wie zahlreiche andere an der Werkbundsiedlung beteiligte ArchitektInnen, seine Ausbildung an der Wiener Kunstgewerbeschule unter Josef Frank und Oskar Strnad erhalten. Ab 1930 war er Mitarbeiter der „Werkstätten Hagenauer“, wo er sich vor allem dem Entwurf von Möbeln und Gebrauchsgegenständen wie Lampen, Beschlägen oder Türgriffen widmete. 

Das Äußere von Julius Jiraseks Werkbundhäusern vermittelt einen eher plastischen und räumlichen Charakter, was zu einem guten Teil auch der Farbgestaltung von László Gábor zuzuschreiben ist. Über dem einige Stufen erhöht liegenden Eingangsbereich und dem angrenzenden vorspringenden Baublock des WC-Anbaus erstreckt sich ein kleiner Balkon, der über den Vorraum des ersten Stocks erschlossen wird. Die farbliche Akzentuierung der beiden Türbereiche (Eingang, Balkon) mittels weißer Farbfelder in Kombination mit dem vor die Fassade gesetzten Kubus verleiht den Häusern eine prägnante Akzentuierung. Gleiches ist auch an der Gartenfassade zu erkennen: Ein großes weißes Farbfeld rahmt Tür und Fenster des Wohnzimmers. Dies trägt einerseits zur optischen Gliederung der glatt verputzten Gartenfassade bei, andererseits wird auch der dem Wohnraum vorgelagerte Sitzbereich mit der hölzernen Pergola betont. Die Grundrissgestaltung der beiden Häuser von Julius Jirasek sieht eine räumliche Trennung der beiden Funktionsbereiche Wohnen und Schlafen nach Etagen vor. Im Erdgeschoß ist der Wirtschaftsbereich mit Treppe, Vorraum, Küche und Kammer L-förmig um den gartenseitig orientierten Wohnraum angeordnet. Über eine Treppe an der Rückwand des Wohnzimmers gelangt man in das Obergeschoß. Auch hier sind der Gang und das Badezimmer straßenseitig orientiert, sodass sich die drei Schlafzimmer zum ruhigen Gartenbereich hin öffnen können. Die Gartenfassaden sind durchwegs mit gleich großen zweiflügeligen Fenstern versehen, nur der breit gelagerte Wohnraum ist zusätzlich durch eine Tür mit dem südlich gelegenen Garten verbunden.

Für die Inneneinrichtung der beiden Reihenhäuser zeichneten Josef Ludwig Kalbac und Ada Gomperz (Haus Nr. 33) sowie Julius Jirasek selbst (Haus Nr. 34) verantwortlich. Bei den Zwischenwänden im Obergeschoß waren Einbaumöbel vorgesehen, während historische Aufnahmen des Wohnzimmers eine Ausstattung mit leichtem Mobiliar zeigen. Julius Jirasek und Josef Ludwig Kalbac stehen hier in der Tradition ihrer ehemaligen Lehrer Oskar Strand und Josef Frank, die eine Einrichtung mit beweglichen Möbeln „ohne jede Einheitlichkeit in Form, Material und Farbe“ forderten, „so dass alles jederzeit ausgewechselt und ergänzt werden kann“, wie Frank 1932 schrieb.

Text: Anna Stuhlpfarrer