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Ernst Plischkes zweigeschoßige Reihenhäuser sind stilistisch an der Bauhaus-Moderne orientiert und heben sich damit deutlich von den benachbarten Häusern Josef Wenzels (Haus 37 / 38) und Julius Jiraseks (Haus 33 / 34) ab. Die horizontal betonten Haustypen mit einer Wohnfläche von je 57 m² zeichnen sich durch eine starke Durchfensterung sowie eine Loggia und Terrasse an der Gartenseite aus. Im Gegensatz dazu ist die nordseitige Straßenfassade zu sehen, die mit ihren kleinen Fenstern im Erdgeschoß sowie dem sehr schmalen Fensterband im ersten Stock einen eher geschlossenen Eindruck vermittelt. Der sehr plastische Charakter der Bauten wurde zusätzlich durch den Anstrich der Fassade in hellem Blau und die dunkelgrau gestrichenen Türen und Fenster betont (Farbkonzept: László Gábor). Das Haus Nr. 35 wurde bereits während der Werkbundausstellung im Jahr 1932 um 32.000 Schilling verkauft. 

Die Erschließung der Reihenhäuser von Ernst Plischke, der in den 1920er-Jahren im Büro von Peter Behrens und anschließend bei Josef Frank gearbeitet hatte, erfolgt über einen erhöht liegenden Eingangsbereich. Der vor die Baulinie tretende Kubus, bestehend aus Windfang und Treppenhaus, wird seitlich über vertikale Fensterbänder belichtet. Von dem Vorraum gelangt man in die um eine Stufe tiefer liegende Wohnebene, die das längsgerichtete Wohnzimmer, die Küche und eine kleine Kammer umfasst. Der Niveausprung erlaubte Plischke dem Wohnzimmer, das über die Möglichkeit zur Querlüftung verfügt, durch die größere Raumhöhe mehr Freiraum und damit Großzügigkeit zu verleihen. Während der Wohnraum sich über die gesamte Tiefe des Hauses erstreckt, ist die seitlich angrenzende Küche um einiges hinter die Baulinie gerückt. Der Bereich davor ist als vor Einblicken geschützter, überdachter Sitzplatz konzipiert. Die sehr niedrig angesetzte Raumhöhe der Kammer im Erdgeschoß ermöglichte Plischke das Einziehen eines Zwischengeschoßes für Bad und WC, wodurch die Sanitärräume sowohl vom Wohn- als auch vom Schlafgeschoß direkt über die Treppe erreicht werden können. Im ersten Stock sind zwei Schlafzimmer angeordnet, wobei der größere der beiden Räume direkt über dem Wohnzimmer situiert ist und auch dieselbe Grundfläche aufweist. Die Loggia im Obergeschoß ist dem kleineren Schlafraum vorgelagert und wird über einen Vorraum erschlossen. 

Historische Fotos zeigen die ursprüngliche Inneneinrichtung von Haus Nr. 35, für die der noch sehr junge Ernst Plischke selbst verantwortlich zeichnete. Das große Zimmer im ersten Stock ist als Wohn-Schlaf-Raum ausgebildet, wobei ein Vorhang die Trennung der beiden Bereiche ermöglicht. Vier Jahre zuvor hatte Plischke mit der Wohnungseinrichtung für die Keramikkünstlerin Lucie Rie, deren Rekonstruktion sich im Hofmobiliendepot – Möbel Museum Wien befindet, eine für die Zeit richtungsweisende Ausstattung entworfen. Im Gegensatz zu Josef Frank und Oskar Strnad hat Plischke seine Möblierung stets auch als Teil der Architektur verstanden und die fixen Einbauten mit nur wenigen frei beweglichen Möbeln ergänzt.

Text: Anna Stuhlpfarrer