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Die beiden unterkellerten Reihenhäuser von Josef Wenzel, der über ein Jahrzehnt als Chefarchitekt im Büro von Clemens Holzmeister gearbeitet hatte, sind spiegelbildlich angeordnet und in direkter Nachbarschaft zu den Häusern von Ernst Plischke (Haus 35 / 36) und Oswald Haerdtl (Haus 39 / 40) situiert. Die lichtgrauen Fassaden der streng in Nord-Süd-Richtung orientierten, quer gelagerten Häuser werden durch die unterschiedlich großen Doppelfenster rhythmisiert. Als weiteres Mittel zur optischen Gliederung dient das weiße Farbfeld an der Gartenfassade, das die große verglaste Terrassentür des Wohnzimmers rahmt. Das Äußere der Häuser Wenzels mit den annähernd quadratischen Sprossenfenstern erinnert mit seiner schlichten Gestaltung an das Biedermeier und steht somit in starkem Kontrast zu den Nachbarhäusern von Ernst Plischke.

Die Doppelhäuser Josef Wenzels, der seine Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste Wien unter Peter Behrens und Clemens Holzmeister erfahren hatte, werden über einen erhöht liegenden Eingang von der Veitingergasse erschlossen. Der Vorraum führt in einer Achse vom Eingang direkt in den Garten weiter. Dieser heutige Nebeneingang Richtung Jagdschlossgasse war in der ursprünglichen Planung als Haupteingang konzipiert. Im Erdgeschoß sind Küche, Kammer, Vorraum, Treppe und WC L-förmig um das gartenseitig liegende Wohnzimmer angeordnet, das über eine vierflügelige Terrassentür zum Außenraum geöffnet ist. Die Terrasse vor dem Wohnraum mit dem von einer Pergola überdachten Sitzbereich ist durch eine seitliche stockwerkshohe Mauer vor störenden Einblicken geschützt. Gleich wie in den meisten anderen Häusern der Werkbundsiedlung hat auch Wenzel die Funktionsbereiche Wohnen und Schlafen etagenweise getrennt. Über die gegen die Feuermauer liegende Treppe gelangt man in das Obergeschoß, das neben einer Wohndiele (mit freistehendem Kaminpfeiler) ein Schlafzimmer, zwei Kammern und ein Badezimmer umfasst. Sämtliche Schlafräume sind gegen den Garten Richtung Süden orientiert, wobei an der Fassade anhand der ein- bzw. zweiflügelig ausgeführten Fenster die Größe der dahinterliegenden Räume abgelesen werden kann. 

Die Inneneinrichtung der 69 m² Wohnfläche umfassenden Häuser stammen von Otto R. Polak-Hellwig (Haus Nr. 37) und Karl Lambert (Haus Nr. 38). Während Hellwig das Wohnzimmer mit einer für den Raum zu massiv und wuchtig scheinenden Sitzbank ausstattete, zeigt ein historisches Foto die wesentlich leichter und offener wirkende Möblierung von Haus Nr. 38 mit Stahlrohrmöbeln und einem Liegebett. Von Vorteil bei Polak-Hellwig, der auch für zahlreiche Gemeindebauten der Gemeinde Wien verantwortlich zeichnete, scheint jedoch die Anordnung der Möbel entlang der Wände, wodurch ein möglichst großer Bewegungsfreiraum geschaffen wurde.

Text: Anna Stuhlpfarrer