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Die beiden Häuser von Ernst Lichtblau, der seine Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste Wien unter Otto Wagner erhalten hatte, sind als schlichte kubische Baukörper mit tief eingeschnittenen Fenstern ausgeführt. Die Fronten der zweigeschoßigen Häuser werden durch unterschiedliche Fenstertypen rhythmisiert, Haus Nr. 42 hebt sich zudem an der Straßenseite durch einen erkerartigen Vorsprung von Haus Nr. 41 ab. Die Fassaden in blassem, hellem Grün mit weißen Fenstern und Türen waren nach dem Farbkonzept von László Gábor gestaltet, der für die Farbgestaltung sämtlicher Häuser in der Siedlung verantwortlich zeichnete. 

Die Häuser mit einer Wohnfläche von 73 bzw. 82 m² weisen im Erdgeschoß eine sehr unterschiedliche innere Raumdisposition auf. Haus Nr. 41, welches über den Vorgarten mit einer hölzernen Pergola erschlossen wird, ist im Gegensatz zum zweiten Haus von Lichtblau und auch den meisten anderen Häusern in der Wiener Werkbundsiedlung mit einer Wohnküche ausgestattet. Diese Form der Küche ist in den Gemeindewohnungen der Stadt Wien bis 1926 fast durchwegs zu finden, erst ab dem Jahr 1927 wurde statt der Wohnküche meist eine kleinere Kochküche und ein normales Wohnzimmer angeordnet. Die Wohnküche in Ernst Lichtblaus Typenhaus ist mit einer gläsernen Schiebetür zum angrenzen Wohnzimmer versehen, wodurch die Küche zusätzlich über den Wohnraum belichtet und mit diesem auch verbunden wird.
Haus Nr. 42 wird über einen seitlichen, im Garten liegenden Eingang erschlossen und weist mit dem quer gelagerten Wohnzimmer und der zentral angelegten offenen Treppe zum Obergeschoß ebenfalls eine relativ untypische Raumaufteilung auf. Durch die Anordnung der Stiege in der Mitte des Wohnraums übernimmt dieser einerseits eine gewisse Verteilerfunktion, andererseits ermöglicht diese Raumlösung auch eine Trennung des Wohnzimmers in zwei unterschiedliche Bereiche (Vorhang in der Mitte). Eher von Nachteil scheint jedoch die Orientierung dieses Aufenthaltsraums gegen die Straße, wobei das relativ große Zimmer in den ersten Plänen zudem ausschließlich über das Erkerfenster hätte belichtet werden sollen. Beide Häuser Lichtblaus weisen eine geschoßweise Trennung der Funktionsbereiche Wohnen und Schlafen auf, wobei der Schlafbereich im Obergeschoß jeweils ein Zimmer und zwei Kammern samt einem Badezimmer umfasst. Die Verbindung zum Garten erfolgt in Haus Nr. 41 über eine Treppe von der Wohnküche aus, während Haus Nr. 42 nur über den normalen Hauseingang mit dem Freiraum verbunden ist. 

Ernst Lichtblau zeichnete in der Werkbundsiedlung neben der Ausstattung seiner eigenen Häuser auch für die Inneneinrichtung der Bauten von Hugo Häring (Haus Nr. 2), Eugen Wachberger (Haus Nr. 22) und Arthur Grünberger (Haus Nr. 63) verantwortlich. Der Architekt und Designer gehörte aufgrund seiner Position als Leiter der „Beratungsstelle für Inneneinrichtung“ (BEST) im Karl-Marx-Hof (ab 1929) zu den prägenden Persönlichkeiten der Wohnkultur im Wien der Zwischenkriegszeit. 

Text: Anna Stuhlpfarrer