<

Der Architekt Hugo Gorge, künstlerischer Leiter des Einrichtungshauses „Kunst und Wohnung – Lorenz und Reichel“, war im Wien der Zwischenkriegszeit mit seinen Möbelentwürfen und Inneneinrichtungen wesentlich an der Entwicklung des modernen Möbels beteiligt. Seine dreigeschoßigen unterkellerten Reihenhäuser in der Werkbundsiedlung mit der gartenseitigen Rückstufung im zweiten Stock waren ursprünglich in hellem, sandigem Gelb ausgeführt. Während die Straßenfassade aufgrund der vorwiegend hochrechteckigen einflügeligen Fenster in den Obergeschoßen einen eher vertikalen Charakter vermittelt, ist bei der zurückgestuften Front gegen den Garten mit ihren breiten Fenster- und Türöffnungen die Horizontale betont. Besondere Aufmerksamkeit gebührt der Lösung des Erdgeschoßes gegen die Woinovichgasse: Die erhöht liegenden Eingangsbereiche der beiden Häuser werden durch das sich beinahe über die gesamte Front erstreckende Vordach, den weißen Fassadenanstrich sowie das rundbogig geführte Geländer optisch miteinander verzahnt. Die Gartenfassaden der Häuser Nr. 43 und Nr. 44 sind heute im Vergleich zu 1932 wesentlich verändert: Beide Häuser sind im Erdgeschoß durch einen Zubau erweitert, und bei Haus Nr. 43 ist neben dem vermauerten Fenster im ersten Stock auch die Terrasse im zweiten Obergeschoß überbaut. 

Die beiden über einem annähernd quadratischen Grundriss errichteten Musterhäuser mit einer Wohnfläche von je 70 m² weisen die gleiche Raumaufteilung auf, sie unterscheiden sich voneinander einzig durch die verschieden gesetzten Fensteröffnungen (seitlich bzw. gegen die Straße). Gorge hat seine Reihenhäuser als Zwillingsbau ausgeführt und daher zwei Varianten mit Fensteröffnungen in den Feuermauern aufzeigen können. Das Erdgeschoß ist in zwei Zonen gegliedert: straßenseitig liegen die Nutzräume, gegen Nordwesten ist das quer gelagerte Wohnzimmer orientiert, das sich über eine vierteilige verglaste Terrassentür zum Garten hin öffnen lässt. Dadurch wird eine großzügige Verbindung des Wohnzimmers mit dem Außenraum ermöglicht. Die beiden Obergeschoße sind mit je zwei Schlafräumen, aber nur einem Badezimmer ausgestattet, und dem großen Schlafzimmer im zweiten Stock ist eine über die gesamte Breite des Hauses reichende Terrasse vorgelagert. 

Hugo Gorge, der die Einrichtung von Haus Nr. 43 selbst übernommen hatte, sah in sämtlichen Geschoßen Wände vor, welche die Verwendung von Einbaumöbeln erlaubten. Historische Aufnahmen zeigen zwei Einblicke in das Wohnzimmer, welches durch den freistehenden Kaminpfeiler in zwei Bereiche geteilt war und über eine Durchreiche zur Küche verfügte. Gorge arbeitete nach seiner Ausbildung an der Technischen Hochschule sowie der Akademie der bildenden Künste Wien unter Friedrich Ohmann als Assistent von Oskar Strnad an der Kunstgewerbeschule – eine Zusammenarbeit, die ihn in seinem Schaffen stark geprägt hat.

Text: Anna Stuhlpfarrer