<

Der Architekt und Publizist Hans Adolf Vetter zählt neben Josef Frank (Haus 12) und Richard Neutra (Haus 47) zu jenen drei Architekten der Werkbundsiedlung, die ein freistehendes Einzelhaus für die Musterschau konzipiert haben. Das zweigeschoßige Haus in hellem Gelb ist über einer sehr schmalen, breit gelagerten Grundfläche errichtet und weist eine Wohnfläche von 71 m² auf. Die im Obergeschoß fensterlose Rückseite des Hauses wird durch den vor die Front gesetzten Kamin gegliedert, während die gegen Südost gerichtete Hauptfassade ihre Rhythmisierung durch die unterschiedlichen Fenstertypen erhält.

Das Wohnhaus am Ende der platzartigen Erweiterung der Woinovichgasse ist im Erdgeschoß in zwei Zonen gegliedert: Links vom gartenseitigen Eingangsbereich sind die Nutzräume mit Küche, Kammer, Speis und WC situiert, wohingegen rechts das sich über die gesamte Tiefe des Hauses erstreckende Wohnzimmer angeordnet ist. Am Ende des Wohnraums, der über die Möglichkeit zur Querlüftung verfügt, führt eine offen ansetzende Treppe entlang der Seitenmauer in den Keller bzw. das Obergeschoß. Von einem langen Flur an der Hausrückseite mit durchgehenden Einbauschränken werden zwei Richtung Garten orientierte Schlafkammern sowie ein Badezimmer erschlossen, am Ende des Ganges befindet sich ein weit größeres Zimmer, das sich über die gesamte Haustiefe erstreckt. Auffallend an dem Haus von Vetter sind die sehr unterschiedlichen Fensterlösungen: im ersten Stock zweiflügelige Fenster in den beiden Schlafkammern, ein kleines Bullauge im Badezimmer und ein französisches Fenster im großen Raum; im Erdgeschoß zwei unterschiedlich kleine, hoch liegende Fensteröffnungen zu Kammer und WC sowie das große vierflügelige Sprossenfenster im Wohnzimmer. Im Gegensatz zu den beiden Einfamilienhäusern von Neutra und Frank, die beide über eine direkte Verbindung des Wohnzimmers mit dem Garten verfügen, führt der Weg in den Außenraum bei Vetter ausschließlich über die normale Eingangstür. Der Wirtschaftsbereich verfügt über einen separaten Eingang an der Rückseite des Hauses, der in einen kleinen Vorraum zwischen Küche und Speisekammer führt. 

Der auch für die Inneneinrichtung seines Hauses verantwortliche Hans Adolf Vetter hatte seine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Wien unter Heinrich Tessenow, Oskar Strnad und Josef Frank erfahren. Bei einem mehrjährigen Aufenthalt in Paris arbeitete er unter anderem im Atelier von Gabriel Guévrékian, der ebenfalls zur Teilnahme an der Werkbundsiedlung eingeladen war. Vetter war Gründungs- und Vorstandsmitglied des österreichischen Werkbundes und als anerkannter Fachjournalist tätig. Seine zahlreichen Artikel und Publikationen zählen noch heute zu wichtigen Quellen der österreichischen Architektur der 1920er- und 1930er-Jahre. Sein Haus in der Lainzer Mustersiedlung wurde neben denen von Ernst Plischke und Richard Neutra in dreifacher Addition als Reihenhaustype auf dem offiziellen Plakat zur Werkbundsiedlung 1932 abgebildet.

Text: Anna Stuhlpfarrer