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Richard Bauer, ab 1927 technischer Leiter der „Gemeinwirtschaftlichen Siedlungs- und Baustoffanstalt“ (GESIBA), war innerhalb dieser Position neben der Planung zahlreicher Siedlungen, wie etwa der „Erwerbslosensiedlung Leopoldau“ in Wien 21, auch für die technische und organisatorische Bauabwicklung der Wiener Werkbundsiedlung verantwortlich. Zudem hatte Josef Frank ihn zur Errichtung zweier Reihenhäuser eingeladen, die in direkter Nachbarschaft zu der Häuserzeile Josef Hoffmanns (Haus 8 / 9 / 10 / 11) situiert sind. 

Die über einem annähernd quadratischen Grundriss errichteten, zweigeschoßigen Doppelhäuser Ecke Veitingergasse / Woinovichgasse mit einer Wohnfläche von je 81 m² bestechen durch ihr sehr schlichtes Äußeres. Die Erschließung der Häuser mit völlig identem Grundriss erfolgt über die im Norden liegende Straßenseite. Das Erdgeschoß gliedert sich in eine Wirtschaftszone mit Vorraum, Küche, Kammer und WC sowie in das angrenzende große Wohnzimmer. Der sich über die gesamte Tiefe des Hauses erstreckende Wohnraum mit Möglichkeit zur Querlüftung ist über eine Tür mit der davor liegenden Terrasse und dem Garten verbunden. Richard Bauer hat in seinen Bauten die Funktionsbereiche Wohnen und Schlafen etagenweise getrennt. Über eine Treppe gelangt man vom Vorraum in das Obergeschoß, das zwei Schlafzimmer, eine Kammer und ein Badezimmer mit WC umfasst. Die beiden großen Schlafräume sind garten- bzw. straßenseitig angeordnet und werden durch eine Zwischenwand, welche die Verwendung von Einbaumöbeln vorsieht, getrennt. Wohnzimmer und Schlafzimmer von Haus Nr. 7 weisen gartenseitig jeweils eine dreiteilige Öffnung auf: Während Bauer im Parterre dadurch eine großzügige Verbindung zum Garten schafft, ist das Schlafzimmer im Obergeschoß mit einem Französischen Fenster versehen. Auch Haus Nr. 6 weist in beiden Geschoßen eine gleiche Verteilung der Fenster- und Türöffnungen (hier jedoch vierteilig) auf, statt des Fensters hat Bauer dem Schlafzimmer aber einen Balkon vorgelagert. Historische Fotos belegen, dass ein rundum laufender Vorhang am Balkon vor störenden Einblicken schützen sollte. Die Fronten gegen die Straße sind im Gegensatz zu den Gartenfassaden völlig gleich gestaltet und weisen ebenfalls großzügige Fensteröffnungen auf. 

Die GESIBA hatte bereits im Jahr 1924 eine „Kernhausaktion“ ins Leben gerufen, die Interessierten Pläne für Häuser in mehreren Ausbaustufen zur Verfügung stellte. Wie die Einreichpläne zeigen, hatte Bauer auch sein Reihenhaus in der Werkbundsiedlung ursprünglich als „wachsendes Haus“ konzipiert: In der ersten, ebenerdigen Bauetappe war die Nische im Wohnraum als Schlafnische gedacht, die ‚Kammer’ als Bad. Im Vollausbau sollte die Schlafnische zur Sitzecke werden, das Bad in den 1. Stock wandern. Realisiert wurde allerdings der Vollausbau.

Text: Anna Stuhlpfarrer