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Die Häuser 65 und Nr. 66 in der Jagdschloßgasse stammen von dem 1899 in Linz geborenen Architekten Josef F. Dex und stehen in einer Reihe mit den Bauten von Arthur Grünberger (Haus 63 / 64), Otto Breuer (Haus 59 / 60) und Helmut Wagner-Freynsheim (Haus 69 / 70). Die zweigeschoßigen unterkellerten Musterhäuser in gekoppelter Bauweise sind gegen die Straße (Südwesten) mit beinahe durchgehenden, schwarz gestrichenen Fensterbändern versehen, während die Front gegen den Garten (Nordosten) einen eher geschlossenen Charakter aufweist. Wurde an sich in den 1920er-Jahren stets eine Öffnung der Häuser gegen den Garten propagiert, so hat sich Dex aufgrund des vorgegebenen Verlaufs der Baulinie zugunsten einer Öffnung seiner Häuser Richtung Sonne und Licht (und damit Richtung Straße) entschieden. 

Die Reihenhäuser mit 67 m² Wohnfläche werden über einen kleinen Vorraum erschlossen, der entgegen der ursprünglichen Planung – wie eine Aufnahme aus dem Jahr 1932 zeigt – nur als Rohrgestänge mit Vorhang ausgeführt wurde. Das Erdgeschoß ist in zwei Bereiche untergliedert: Küche, Speisekammer und Treppe sind an den jeweils äußeren Rand der Häuser gerückt, sodass zwei Drittel der Grundfläche für den Wohnraum zur Verfügung stehen, der sich über die gesamte Tiefe des Hauses erstreckt. Fenster auf beiden Seiten ermöglichen eine Querlüftung des Wohnzimmers, womit eine der zentralen Forderungen der Architektur der 1920er-Jahre zugunsten von mehr Luft, Licht und Sonne in den Wohnungen erfüllt ist. Gleich wie beim Nachbarhaus von Arthur Grünberger, ist auch bei Dex im Erdgeschoß kein WC eingeplant, auch hier sind die BewohnerInnen auf die Toiletten im Keller und im Obergeschoß angewiesen. Über einen kleinen gartenseitigen Vorraum, von dem aus auch der Ausgang zur Terrasse erfolgt, gelangt man zur Treppe ins Obergeschoß, das drei Schlafkammern und ein Badezimmer beherbergt. 

Josef F. Dex, über dessen Werk uns heute kaum etwas überliefert ist, hatte seine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Linz unter Matthias May und an der Akademie der bildenden Künste Wien unter Peter Behrens erfahren. Bei den beiden Häusern in der Werkbundsiedlung handelt es sich um die einzigen realisierten Bauten des Architekten, was nicht zuletzt auch auf die beinahe zum Erliegen gekommene Bautätigkeit zu Beginn der 1930er-Jahre zurückzuführen ist. Artikel in Fachzeitschriften belegen, dass Dex sich vorwiegend mit dem Entwurf von Möbeln und Inneneinrichtungen beschäftigt hat. Auch in der Mustersiedlung in Lainz hat er die Einrichtung seiner beiden Reihenhäuser selbst übernommen. Eine historische Aufnahme zeigt einen Einblick in das Wohnzimmer von Haus Nr. 66, das durch den schmal vor die Mauer springenden Kaminpfeiler optisch in einen Ess- und einen Wohnbereich getrennt ist und eine Ausstattung mit Stahlrohrmöbeln aufweist. Im Obergeschoß wurde bei der Anordnung der Zwischenwände auf den Einbau von Schrankwänden Rücksicht genommen.

Text: Anna Stuhlpfarrer