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Die dreigeschoßigen Zwillingshäuser von Gabriel Guévrékian in der platzartig erweiterten Woinovichgasse sind in direkter Nachbarschaft zur Häuserzeile des Niederländers Gerrit Rietveld (Haus 53 / 54 / 55 / 56) situiert. Der persische Armenier Guévrékian, der seine Kindheit und Jugend in Teheran verbracht hatte, ab 1910 in Wien wohnte und im Jahr 1922 nach Paris übersiedelte, wurde von Le Corbusier als Generalsekretär der Internationalen Kongresse Moderner Architektur CIAM bestellt und war Gründungsmitglied der bekannten französischen Architekturzeitschrift „L’architecture d’aujourd’hui“. Neben André Lurçat aus Frankreich, Gerrit Rietveld aus den Niederlanden und Hugo Häring aus Deutschland zählte er zu den wenigen Architekten aus dem Ausland, die Josef Frank zur Teilnahme an der Wiener Werkbundsiedlung eingeladen hatte.

Die Grundfläche der spiegelbildlich angeordneten Reihenhäuser Guévrékians ist ähnlich wie bei André Lurçat (Haus 25 / 26 / 27 / 28) im Erdgeschoß nur zu einem Teil verbaut. Während die eine Hälfte dem Vorraum, Wirtschaftsräumen und der Dienstbotenkammer vorbehalten ist, bildet die zweite Hälfte einen Freiraum aus, die Obergeschoße werden hier von Pilotis (Rundpfeilern) getragen. Der geschützte Außenraum führt zu den an der Seitenfassade der Häuser liegenden Eingängen und ist daher kaum als überdachter Sitzplatz zu verwenden. Über dem sockelartigen Erdgeschoß erhebt sich das Wohngeschoß mit Küche und großzügig gestaltetem Wohnraum, der sich über die gesamte Tiefe des Hauses erstreckt und somit über die Möglichkeit zur Querlüftung verfügt. Der Raum wird über ein durchgehendes Fensterband an der Südfassade Richtung Garten geöffnet, die Abtrennung zum Gang und zur seitlich angelegten Stiege erfolgt über verglaste Schiebetüren. Eine Etage höher befindet sich der Schlafbereich: Die zwei Schlafräume, die Kammer und das Badezimmer werden über einen zentralen kurzen Gang erschlossen, die Wand zwischen den beiden größeren Zimmern berücksichtigt den Einbau von Schrankwänden. Das Äußere der in hellem, sandigem Gelb gestrichenen Häuser wird durch das „Schweben“ des Wohnraums über dem Boden und die akzentuiert gesetzten unterschiedlichen Fenstertypen geprägt und ist stilistisch dem Internationalen Stil zuzurechnen. 

Gabriel Guévrékian hatte in Wien an der Kunstgewerbeschule unter Oskar Strnad und Josef Frank studiert und war bis zu seiner Übersiedlung nach Paris in den Ateliers von Josef Hoffmann und Oskar Strnad tätig. Die ursprüngliche Inneneinrichtung der Häuser Nr. 67 und Nr. 68, die über eine Wohnfläche von je 87 m² verfügten, stammte nicht von Guévrékian selbst, sondern wurde von Rudolf Baumfeld und Miklós Velits übernommen. Ein Einblick in das Wohnzimmer von Haus Nr. 67 zeigt eine Ausstattung mit unterschiedlichem, beweglichem Mobiliar, wobei der Ess- und Sitzbereich des offenen und gut belichteten Wohnraums durch ein weißes Sofa voneinander getrennt werden.

Text: Anna Stuhlpfarrer