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Die vier ebenerdigen Reihenhäuser in der Veitingergasse stammen vom Architekten Josef Hoffmann, der zum Zeitpunkt der Eröffnung der Werkbundausstellung 1932 bereits 61 Jahre alt war. Der bekannte Mitbegründer der Wiener Werkstätte und des österreichischen Werkbundes schuf in der Wiener Mustersiedlung zwei unterschiedlich große Typenhäuser, die er derart spiegelbildlich anordnete, dass die beiden innen und außen liegenden Bauten einander jeweils entsprechen. Der horizontal sehr breit gelagerte Baublock wird an der Straßenseite durch vier aufstrebende, durchgehend verglaste Stiegenhaustürme, die leicht zurückgesetzt liegen und über das Dach hinaus geführt werden, vertikal aufgebrochen. Als Gestaltungselement zur optischen Gliederung der Gartenfassade dienten Hoffmann ganz in barocker Manier die zweifach rückspringenden Fronten der beiden äußeren Häuser in Kombination mit den gespiegelten vorgelagerten Terrassen und Stiegenabgängen der beiden kleineren inneren Haustypen. Die ein-, zwei- und dreiteiligen Sprossenfenster des Wohngeschoßes sind sämtlich außen aufgesetzt, nur die querrechteckigen Fenster des hoch liegenden Kellers, welcher der Reihenhauszeile als eine Art Sockel dient, sind in die Wand eingeschnitten.

Die beiden über Niveau liegenden Wohnungstypen Josef Hoffmanns werden sowohl straßen- als auch gartenseitig über Treppen erschlossen. Die Häuser Nr. 8 und Nr. 11 weisen jeweils 84 m² verbaute Fläche auf und verfügen über einen mittig gelegenen Stichgang, über den sämtliche Räume begehbar sind. Die kleineren Häuser Nr. 9 und Nr. 10 mit einer verbauten Fläche von 66 m² weisen eine punktartige Erschließung über den zentral gelegenen Vorraum auf. Alle Wohnungen verfügen über eine großzügige begehbare Dachterrasse, die dem Sonnenbad dienen sollte. 

Haus Nr. 8 (als eines der wenigen Musterhäuser der Werkbundsiedlung bereits im Zuge der Ausstellung verkauft – um 45.000 Schilling) und Haus Nr. 9 wurden von Josef Hoffmann selbst eingerichtet: Historische Aufnahmen zeigen eine Möblierung, die für die vorhandene Wohnfläche ein wenig zu groß dimensioniert scheint. Besonderen Wert dürfte Hoffmann auf die Farben gelegt haben, so heißt es in der Zeitschrift Innendekoration 1932: „Zwei Häuser sind von Hoffmann selbst eingerichtet, und zwar ganz auf den Zusammenklang farbig gehaltener Zimmer hin. So ist in dem größeren Haus der Schlafraum der Eltern auf ein sattes Blau, der zweite, für eine Tochter gedachte Schlafraum auf rosa gestimmt und die Kammer grün, während der Wohnraum mit seinen weißen Wänden gewissermaßen die Sammlung der optischen Werte bildet. Die Stimmung ist bei aller Schlichtheit von eigner Wärme und Kultur erfüllt.“ Für die Möblierung von Haus Nr. 10 zeichneten Wilhelm Jonasch und Wolko Gartenberg verantwortlich, die Einrichtung von Haus Nr. 11 übernahm Willy Legler.

Text: Anna Stuhlpfarrer