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Die Eröffnung der Werkbundsiedlung

Der 4. Juni 1932, ein sonniger Samstag, stand ganz im Zeichen der Werkbundsiedlung. Am Nachmittag versammelten sich die TeilnehmerInnen, darunter DiplomatInnen und zahlreiche internationale Gäste, auf dem zentralen Platz zwischen den Häusern von Adolf Loos und Gerrit Rietveld. Nach Ansprachen von Werkbundpräsident Hermann Neubacher und Bürgermeister Karl Seitz hielt Bundespräsident Wilhelm Miklas die Eröffnungsrede. Die Wochenschau war ebenso anwesend wie zahlreiche FotografInnen, die RAVAG – das österreichische Radio – übertrug live. 

Ansprachen

Hermann Neubacher verwies in seiner Rede auf die „Sehnsucht des arbeitenden Menschen von heute“ nach dem Einfamilienhaus mit Garten, Bürgermeister Seitz erklärte, dass hier „dem Stilchaos der alten Zeit ein Ende gemacht“ worden sei, der Wohnbau „eine Kollektivangelegenheit“ werden müsse. Bundespräsident Miklas wies darauf hin, dass die Siedlung ein „Zeichen guter österreichischer Qualitätsarbeit“ sei und sich in der heutigen Bauweise „ein ausgesprochen sozialer Einschlag“ abzeichne.

Publikum

In den folgenden acht Wochen kamen mehr als 100.000 BesucherInnen in die Werkbundsiedlung. Die ArchitektInnen veranstalteten 200 Führungen, an denen 12.000 Personen teilnahmen. Radio und Zeitungen berichteten ausführlich. Die Werkbundsiedlung war ein Medienereignis und im Sommer 1932 das Wiener Stadtgespräch. Erstmals setzte sich die breite Bevölkerung mit Fragen des modernen Wohnens auseinander.

 Text: Andreas Nierhaus