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Vorbereitung, Planung, Bau

Die Internationale Werkbundsiedlung im 13. Wiener Gemeindebezirk wurde in den Jahren 1930–1932 errichtet und zählt zu den bedeutendsten baulichen Dokumenten der Moderne in Österreich. Initiator und künstlerischer Leiter war der Architekt Josef Frank, einer der wichtigsten Vertreter der sogenanten „Zweiten Wiener Moderne“ der Zwischenkriegszeit. Die vom Österreichischen Werkbund errichtete Siedlung umfasste insgesamt 70 kleine Einfamilienhäuser im Grünen, für deren Entwurf 33 ArchitektInnen verantwortlich zeichneten. Neben vier Teilnehmern aus dem Ausland waren vorwiegend Wiener ArchitektInnen vertreten, die großteils dem näheren Umfeld von Oskar Strnad und Josef Frank entstammten und teils noch am Beginn ihrer Karriere standen. Die Kleinhäuser der Siedlung in freistehender, gekoppelter bzw. zeilenförmiger Verbauung sollten die Vielfalt an unterschiedlichen Reihen- und Typenhäusern präsentieren und als mögliche Vorbilder für Grundtypen neuer Siedlungen dienen. Die vollständig eingerichteten Musterhäuser waren zum Verkauf bestimmt und konnten im Rahmen der „Internationalen Werkbundausstellung Wien“ vom 5. Juni–7. August 1932 besichtigt werden. Die Ausstellung wurde von über 100.000 Interessierten besucht. 

Einzelne Planungsphasen

Die Entstehung der Wiener Mustersiedlung, die den Abschluss einer Reihe von internationalen Werkbundsiedlungen bildet, geht auf das Jahr 1929 zurück. Die ursprünglich für 1930 geplante Bauausstellung mit Flach- und Geschoßbauten war als Alternative zum Bauprogramm des Roten Wien gedacht und sollte neue Lösungsvorschläge auf dem Gebiet des Kleinwohnungsbaus aufzeigen. Ein neuer Fördergeber sowie der Wechsel des Bauplatzes sorgten jedoch für maßgebliche Umplanungen und eine Verzögerung von zwei Jahren. Entgegen der ersten Planung wurde die Siedlung nicht im Rahmen der Wohnbautätigkeit der Gemeinde Wien, sondern aus Mitteln der Heimbauhilfsaktion der Gemeinwirtschaftlichen Siedlungs- und Baustoffanstalt – GESIBA errichtet. Dieser Umstand brachte eine wesentliche Programmänderung mit sich, da die Heimbauhilfe ausschließlich Einfamilienhäuser mit kleinen Gärten förderte. So mussten bereits bestehende Entwürfe für Stockwerksbauten fallengelassen werden, zudem richteten sich die nun zum Verkauf bestimmten Eigenheime auch an ein völlig anderes Zielpublikum als ursprünglich geplant. 

Bauplatzwechsel und Errichtung in Lainz

Nach einem Bauplatz- und Planwechsel an der Triesterstraße im 10. Bezirk erfolgte in beinahe letzter Sekunde die endgültige Verlegung des Baugeländes vom Arbeiterbezirk Favoriten an den Rand des Hietzinger Villenviertels. Die völlig anderen Gegebenheiten des neuen Grundstücks in Lainz erforderten eine neuerliche Umplanung der Typenhäuser und führten letztendlich zu dem heutigen Charakter einer organisch gewachsenen Siedlung. Die Mustersiedlung wurde zu einem Zeitpunkt fertiggestellt, als sie aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Krisensituation in Österreich im Wesentlichen keinen Einfluss mehr auf die Architektur der Zukunft bewirken konnte.

Text: Anna Stuhlpfarrer