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Das städtebauliche Konzept

Der Gesamtplan für die Wiener Werkbundsiedlung stammte von Josef Frank. Er musste nicht nur auf den schwierigen Zuschnitt des Wiesengrundstücks am Fuß des Roten Bergs reagieren, sondern die Häuser, die noch für den alten Standort bei der Spinnerin am Kreuz und einen anderen Lageplan entworfen worden waren, auf dem neuen Bauplatz völlig neu anordnen. Von den bestehenden Straßen – Veitingergasse und Jagdschloßgasse – ließ Frank sanft geschwungene Wege ins Zentrum führen, wo er einen kleinen Platz ausbildete. Die Siedlung wurde als in sich abgeschlossener Organismus geplant, es gibt kaum Bezüge zur Umgebung, die damals aber auch noch kaum bebaut war. 

Markante Eckpunkte

Die Häuser wurden so orientiert, dass sie einerseits der Ausstellung entsprechend als eigenständige und unterschiedliche Typen und Muster wirken, andererseits im Gesamtbild den Charakter einer gewachsenen Siedlung erhalten konnten. Die Positionierung der Häuser folgte einer genauen Regie: Obwohl sich beinahe alle Häuser zum Garten orientierten und öffneten, wurden die Bauten streng parallel zu den Straßenzügen angeordnet. In die geschwungene Wegeführung kehrte dadurch wieder Ordnung ein. Entlang der Veitingergasse bilden die Häuser eine lange, mehrmals unterbrochene Reihe, ansonsten sind sie lockerer positioniert. Frank versuchte, das Areal von vornherein mit architektonischen Mitteln hervorzuheben und abzugrenzen. So setzte er an die westliche Spitze den hohen Baukörper von Oswald Haerdtl, der wie ein Turm die Siedlung zu bewachen scheint. Im äußersten Westen, von wo im Sommer 1932 die BesucherInnen kamen, wurde das im Krieg zerstörte Doppelhaus von Oskar Strnad mit seiner markanten Gliederung errichtet. Auf dem zentralen Platz sind die Häuser von Gerrit Rietveld und Adolf Loos wichtige Ankerpunkte.

Kritik

Josef Frank wollte, dass die Siedlung nicht einheitlich wirkt, um dem Charakter einer Ausstellung mit Musterhäusern zu entsprechen. Für eine einheitlich geplante Siedlung wäre ein ganz anderer, regelmäßiger Lageplan notwendig gewesen. Ein Teil der Kritik richtete sich dennoch gegen diese dorfartige Anlage.

Text: Andreas Nierhaus