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Restauratorisches Konzept

Der Umgang mit Gebäuden aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stellt eine besondere Herausforderung an die technischen und denkmalpflegerischen Aspekte einer Sanierung dar.

Der Zugang zur Sanierung historischer Gebäude der klassischen Moderne hat sich in den letzten Jahren verändert. Heute wird dem Erhalt des Originalmaterials größere Beachtung geschenkt. Anstatt beispielsweise Fenster durch Nachbauten mit ähnlicher Optik zu ersetzen oder Fassaden neu zu verputzen gilt es, die noch vorhandene Originalsubstanz zu restaurieren und für möglichst lange Zeit zu sichern. Das Objekt an sich und nicht eine Interpretation oder ein Nachbau davon wird als schützenswert betrachtet.

Unverzichtbar ist daher eine umfassende restauratorische Befundung der Bausubstanz hinsichtlich ihres Zustandes, der Zusammensetzung der Materialien, des Schichtaufbaues von Oberflächen und der Identifizierung der Originalfarbe. Dazu ist ein interdisziplinäres Team aus Architekten, Technikern und spezialisierten Restauratoren erforderlich, die Untersuchungen mit naturwissenschaftlichen Methoden durchführen.

In der Werkbundsiedlung wurde jedes einzelne Haus von folgenden Fachleuten befundet: Architekt, Restaurator für Putzoberflächen, Restaurator für Metallteile, Restaurator für Holzteile, Bauphysiker, Elektrotechniker, Installationstechniker, Spezialist für Mauerfeuchteuntersuchung und Spezialist für Kanaluntersuchung.

Zielsetzung der Sanierung

Angestrebt wurde, die Wohngebäude auf einen schadensfreien, zeitgemäßen Standard zu bringen und gleichzeitig die vielfältigen Qualitäten der Siedlung zu erhalten. Dabei wurde möglichst viel der noch vorhandenen Originalsubstanz bewahrt und langfristig gesichert. Die Restaurierung von erhaltenen Sichtoberflächen wurde mit den gleichen Materialien und Handwerkstechniken durchgeführt wie bei der Errichtung 1932. Das Erscheinungsbild soll nach der Sanierung annähernd dem Stand der 30er Jahre entsprechen und keinesfalls den Habitus eines Neubaus von 2012 annehmen. Ein wesentlicher Partner im gesamten Sanierungsprozess war das Bundesdenkmalamt, im Besonderen der Landeskonservator für Wien Dr. Friedrich Dahm und der zuständige Sachbearbeiter DI. Oliver Schreiber.

Freiraumsanierung

Mit Hilfe der photographischen Dokumentation des Originalzustandes von 1932 sowie Plandarstellungen des originalen Bauaktes konnte die ursprüngliche Gestaltung des Freiraumes in Hinblick auf Terrassen, Zäune und Wege rekonstruiert werden. Die Wege und Terrassen wurden mit den vorhandenen, alten Spaltgneisplatten saniert und ergänzt. Betonsockelmauern wurden mittels Hochdruckwasserstrahl gereinigt. Der Metallzaun wurde abmontiert und in einer Schlosserei saniert und mit Standölfarben nach altem Vorbild lackiert. Der Bestand an Bäumen und Gehölzen wurde in Absprache mit den Mietern ausgelichtet, damit eine Nutzung der teilweise stark verwachsenen Flächen wieder möglich ist.